Eine in Royal Society Open Science veröffentlichte Studie ergab, dass die massiven Strandungen von Gemeinen Delfinen in Patagonien, Argentinien, mit der Präsenz von Orcas als Raubtiere in Verbindung stehen.
Die Forschung konzentrierte sich auf die Bucht von San Antonio im Golf von San Matías, wo die Meeressäuger als Reaktion auf Stress in flache Gewässer eindrangen und in Sandbänken gefangen wurden.
Jüngste Ereignisse
Zwischen 2021 und 2023 wurden zwei bedeutende Vorfälle registriert:
- September 2021: 52 Gemeine Delfine starben; an 38 Exemplaren wurden Nekropsien durchgeführt.
- April 2023: Etwa 570 Delfine strandeten, obwohl alle dank des Einsatzes von Freiwilligen und Behörden ins Meer zurückgebracht wurden.
Die Analysen schlossen menschliche Ursachen, Krankheiten oder Unterernährung aus. Die Tiere wiesen einen guten körperlichen Zustand auf, was die Hypothese stützt, dass das Auslöser die Vermeidung von Raubtieren war.
Räuber-Beute-Dynamik
Das von Magdalena Arias geleitete Team kam zu dem Schluss, dass die Präsenz von Orcas bei den Delfinen einen extremen Stress auslöst, der sie dazu veranlasst, sich in kompakten Formationen zu gruppieren und in flache Gewässer zu schwimmen, um zu entkommen. Dieses gesellige Verhalten verstärkt den Panikeffekt: Wenn ein Teil der Gruppe zur Küste flieht, ahmt der Rest dies nach, was das Risiko einer Strandung erhöht.
Die Geografie der Bucht mit Sandbänken und starken Gezeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere gefangen werden, noch weiter.

Gemeinschaftliche Reaktion
Während des Ereignisses von 2023 nutzten Freiwillige Kajaks und kleine Boote, um die Delfine zurück ins Meer zu führen. Die Koordination zwischen Wissenschaftlern, Fischern und der lokalen Gemeinschaft war entscheidend, um Todesfälle zu vermeiden.
Die Studie hebt hervor, dass die Identifizierung der natürlichen Ursache dieser Ereignisse es ermöglicht, die Rettungsmaßnahmen zu optimieren und ungerechtfertigte Alarme über Krankheiten oder Verschmutzung zu reduzieren.
Ökologische Implikationen
Die Forschung stellt die bisherige Ansicht in Frage, dass massive Strandungen ausschließlich mit menschlichen oder umweltbedingten Faktoren verbunden sind. Die Räuber-Beute-Dynamik erweist sich als entscheidender natürlicher Faktor.
Die zunehmende Präsenz von Orcas im Golf von San Matías stellt neue Belastungen für die Delfine und andere Meeresarten dar. Eine ständige Überwachung wird entscheidend sein, um Risiken vorherzusehen und das Notfallmanagement zu stärken.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Druck von Raubtieren wie Orcas das Verhalten der Delfine erheblich verändern und zu massiven Strandungen beitragen kann. Diese Erkenntnis definiert das Verständnis dieser Phänomene neu und unterstreicht die Notwendigkeit, natürliche Faktoren in die Strategien zur Erhaltung der Meeresumwelt in Patagonien zu integrieren.



