Eine in Nature Astronomy veröffentlichte Studie identifizierte Regionen am Südpol des Mondes, in denen Wasser seit mindestens 1,5 Milliarden Jahren gefroren geblieben ist. Diese Zonen, bekannt als „Kältefallen“, befinden sich in tiefen Kratern, die niemals direktes Sonnenlicht erhalten und in denen die Temperaturen unter -160 °C fallen, Bedingungen, die die Erhaltung des Eises im Laufe der geologischen Geschichte des Mondes ermöglichen.
Die Wissenschaft hinter der Entdeckung
Die Arbeit wurde von Oded Aharonson vom Weizmann-Institut für Wissenschaft (Israel) zusammen mit einem internationalen Team geleitet. Durch thermische Modelle und orbitale Daten des Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) rekonstruierten die Forscher die Entwicklung dieser Regionen und kamen zu dem Schluss, dass einige von ihnen über Milliarden von Jahren kontinuierlich Eis angesammelt haben.
Die geringe axiale Neigung des Mondes erzeugt Bereiche in permanentem Schatten, in denen die thermischen Bedingungen stabil sind. Die Studie zeigt jedoch, dass die Neigung vor Milliarden von Jahren größer war, was eine andere Sonnenexposition bedeutete. Im Laufe der Zeit stabilisierte sich die Achse und die Anzahl der Krater in ewiger Dunkelheit nahm zu, wodurch sie zu natürlichen Ablagerungen von gefrorenem Wasser wurden.
Auswirkungen auf die Weltraumforschung
Die Entdeckung hat direkte Auswirkungen auf das Artemis-Programm der NASA, das darauf abzielt, in den nächsten zehn Jahren eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond zu etablieren. Das Mond-Eis wäre nicht nur eine Quelle für Trinkwasser für zukünftige Besatzungen, sondern auch eine strategische Energiequelle: Durch Elektrolyse kann es in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt werden, wesentliche Komponenten zur Herstellung von Raketentreibstoff.
Dies eröffnet die Möglichkeit, den Südpol des Mondes in eine Versorgungsplattform für ehrgeizigere Missionen, wie bemannte Reisen zum Mars, zu verwandeln.

Neue Erkundungsstrategien
Die Studie definiert auch die Erkundungsprioritäten neu. Einige traditionell als strategisch angesehene Krater wären nicht die effizientesten zur Wasseransammlung, während andere weniger erforschte Regionen stabilere Bedingungen aufweisen.
Diese neue Karte dient als Leitfaden für zukünftige robotische und bemannte Missionen, die darauf abzielen, direkte Proben des Mond-Eises zu gewinnen.
Eine begrenzte Ressource
Wissenschaftler warnen, dass das Mond-Eis keine erneuerbare Ressource ist. Im Gegensatz zur Erde, wo ein aktiver Wasserkreislauf existiert, sammelt sich auf dem Mond Wasser durch sporadische Prozesse wie Kometeneinschläge oder Wechselwirkungen mit dem Sonnenwind an.
Einmal extrahiert und genutzt, geht es im Vakuum des Weltraums verloren. Daher stellt seine Nutzung technologische, politische und ökologische Herausforderungen dar, in einem Kontext, in dem es noch keine globalen Vereinbarungen über das Management extraterrestrischer Ressourcen gibt.
Die Entdeckung der Kältefallen definiert die Strategie der Mondforschung neu und verstärkt das Interesse daran, permanente Basen außerhalb der Erde zu errichten. Das Eis am Südpol des Mondes könnte die Ressource sein, die den Unterschied zwischen temporären Missionen und einer echten nachhaltigen menschlichen Präsenz im Weltraum ausmacht.



