Jedes Jahr sterben Tausende von Delfinen, Schweinswalen und Walen, die in Fischernetzen gefangen werden. Dieses Phänomen, bekannt als Beifang oder Bycatch, ist eine der größten Bedrohungen für die Meeressäugetiere.
In der handwerklichen Fischerei reflektieren Nylonnetze kaum den Schall und werden für die auf Echolokation angewiesenen Wale unsichtbar. Elektronische Geräte, sogenannte Pinger, werden seit Jahrzehnten eingesetzt, aber ihre hohen Kosten schränken ihre Nutzung in kleinen Fischergemeinschaften ein.
Eine innovative Idee: recycelte Flaschen
Professor Per Berggren von der Universität Newcastle schlug eine überraschend einfache Alternative vor: recycelte Plastikflaschen.
- Eine geschlossene Flasche enthält Luft, die den Schall unter Wasser sehr effizient reflektiert.
- Wenn ein Delfin seine Echolokationsklicks aussendet, gibt die Flasche ein starkes Echo zurück, wodurch das Netz erkennbar wird.
- In Labortests erhöhte eine einzelne Flasche die akustische Erkennbarkeit des Netzes um das 100- bis 1.000-fache.
Tests auf drei Kontinenten
Die Forscher führten über 1.600 Netzauslegungen durch in:
- Peru.
- Zanzibar, Tansania.
- Südbrasilien.
In Brasilien waren die Ergebnisse eindeutig:
- In Netzen mit Flaschen wurde beim ersten Versuch kein Delfinbeifang registriert.
- Eine zweite Kampagne mit 318 Ausfahrten bestätigte eine Reduzierung des Beifangs um 88%.
- Die kommerziellen Fischfänge blieben stabil und nahmen in einigen Fällen sogar zu.
Einer der Nutznießer war der Franciscana, ein kleiner Küstendelfin, der von der IUCN als gefährdet eingestuft wird.
Regionale Unterschiede
In Peru und Sansibar reduzierten die Flaschen den Beifang von Delfinen und Schildkröten nicht signifikant. Die Forscher führen dies auf Umgebungsgeräusche in den oberflächennahen Schichten des Ozeans zurück, die es erschweren, das Echo der Flaschen zu unterscheiden.
In tieferen und ruhigeren Gewässern, wo Delfine stärker auf Echolokation angewiesen sind, zeigte das System eine größere Wirksamkeit.

Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit
Das System bietet entscheidende Vorteile:
- Niedrige Kosten: zugänglich für handwerkliche Fischergemeinschaften.
- Kreislaufwirtschaft: nutzt reichlich vorhandene Plastikabfälle wieder, anstatt neue Geräte herzustellen.
- Kommerzielle Kompatibilität: beeinträchtigt nicht die Rentabilität der Fischerei, was die Akzeptanz erleichtert.
Die Forscher betonen, dass die Flaschen während der Tests fest an den Netzen befestigt blieben und so verhindern, dass neue Abfälle ins Meer gelangen.
Nächste Schritte
Nach den guten Ergebnissen in Brasilien erweitert das Team die Tests in Kambodscha und der Republik Kongo, um die Technik in verschiedenen Ökosystemen zu bewerten.
Parallel dazu fördern internationale Organisationen wie die FAO Verbesserungen bei Fanggeräten, um die Auswirkungen auf geschützte Arten zu verringern. Solche kostengünstigen Innovationen können diese Strategien ergänzen und den Zugang zu Naturschutzlösungen demokratisieren.
Die Einbindung von recycelten Flaschen in Fischernetze zeigt, dass Kreativität und Einfachheit einen Unterschied beim Schutz der Meeresfauna machen können.
Die Reduzierung des Beifangs von Delfinen um fast 90% ohne Beeinträchtigung der Fischereitätigkeit ist ein Fortschritt, der Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und soziale Gerechtigkeit für Küstengemeinschaften vereint.



