Der Bericht „Vogelgrippe und industrielle Tierhaltung“ des Observatoriums für Tierschutz (OBA) in Spanien warnt davor, dass die aktuelle Vogelgrippekrise ihren Ursprung im intensiven Geflügelproduktionsmodell hat, das durch große Tierkonzentrationen und hohe genetische Homogenität gekennzeichnet ist.
Laut dem Dokument sind weder die Einsperrung der Vögel noch die Impfung ausreichend, um das Virus ohne strukturelle Änderungen in der Dichte und in den Biosicherheitsmaßnahmen zu kontrollieren.
Risikofaktoren im intensiven System
Die Studie identifiziert vier Hauptmerkmale, die die Ausbreitung des Virus begünstigen:
- Hohe Dichten und Überfüllung, die die Ansteckung erleichtern und den Stress bei den Tieren erhöhen.
- Genetische Homogenität, die die schnelle Ausbreitung von Krankheitserregern ermöglicht.
- Ständige Bewegungen von Personen, Fahrzeugen und Tieren, die das Virus verbreiten.
- Unzureichende Biosicherheit, insbesondere in Großbetrieben.
Das OBA betont, dass die Übertragung des Virus innerhalb der Industrie größtenteils auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist, wodurch intensive Systeme zu einem Nährboden für die Anpassung von neuen resistenten Varianten werden. Die Schwierigkeit, große Hallen zu reinigen und zu sterilisieren, verschärft die Situation noch weiter.
Kritik am Produktionsmodell und an den Supermärkten
Das Observatorium fordert die Supermärkte, die noch Eier mit Code 3 (von eingesperrten Hühnern) verkaufen, auf, ihre Verpflichtungen zur Abschaffung dieser Praxis einzuhalten. Es wird daran erinnert, dass 80 % der geschlachteten Vögel aus geschlossenen Betrieben stammen, laut Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
Die Tierärztin Míriam Martínez, Direktorin für Tierschutz bei OBA, kritisiert, dass Supermärkte, die weiterhin Eier von eingesperrten Hühnern verkaufen, ein „nicht nachhaltiges und gefährliches“ Modell perpetuieren. Sie weist darauf hin, dass die Käfige die Vögel auf einen Raum beschränken, der dem einer A4-Seite entspricht, wodurch sie sich nicht strecken, flattern oder scharren können, was eine grausame Praxis und Teil des strukturellen Problems darstellt.

Die Vogelgrippe: ein globales Risiko
Die Vogelgrippe ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die Wild- und Hausvögel betrifft und in der Lage ist, zu mutieren und auf Säugetiere und Menschen überzugehen. Ihre Auswirkungen sind vielfältig:
- Tiergesundheit: hohe Sterblichkeit bei Hühnern, Truthähnen und Wildarten wie Flamingos und Schwänen, was zu Massenkeulungen führt.
- Zoonosen und Pandemierisiko: Stämme wie H5N1 haben bereits Menschen und Säugetiere (Seehunde, Katzen) infiziert, mit der Sorge, dass das Virus mutiert, um effizient zwischen Menschen übertragen zu werden.
- Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen: beeinträchtigt die Geflügelproduktion, unterbricht den Handel und verursacht hohe Kontroll- und Ausrottungskosten.
- Verbreitung: breitet sich leicht unter Zugvögeln und Hausvögeln aus und durch Fomiten wie Ausrüstungen und Fahrzeuge.
- Öffentliche Gesundheit: selbst in nicht-pandemischen Fällen kann es schwere Atemprobleme bei Menschen verursachen.
Jüngste Beispiele für die Ausbreitung
- Vereinigte Staaten (2024): das Virus breitete sich auf Milchkühe und Arbeiter der Milch- und Geflügelindustrie aus.
- Südamerika (2024): mehr als 20.000 Seehunde starben an der Vogelgrippe, was ihre Auswirkungen auf Meeressäuger zeigt.
- Europa und andere Regionen: wiederkehrende Ausbrüche bei Geflügel und Wildvögeln, mit Massenkeulungen und verstärkten Biosicherheitsmaßnahmen.
Kontrollmaßnahmen und Herausforderungen
Die aktuellen Strategien umfassen:
- Keulung infizierter Vögel, Desinfektion und Quarantäne.
- Impfstoffe, deren Implementierung und Wirksamkeit weiterhin eine Herausforderung darstellen.
- Ständige Überwachung von Wild- und Hausvögeln zur Erkennung neuer Stämme.
- Verbesserung der Biosicherheit, entscheidend, um die Ausbreitung auf Menschen und andere Tiere zu verhindern.
Die Krise der Vogelgrippe ist eine vielschichtige Herausforderung, die eine koordinierte globale Antwort erfordert. Palliative Maßnahmen reichen nicht aus: Es ist notwendig, das intensive Geflügelproduktionsmodell zu hinterfragen, die Tierdichte zu reduzieren, die Biosicherheit zu verbessern und Praktiken wie Käfige abzuschaffen. Nur so wird es möglich sein, die Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und menschliche Gesundheit vor einem Risiko zu schützen, das droht, zu einer neuen Pandemie zu werden.



