Wissen säen: Die Wiedergeburt der Umweltbildung in den Mehrstufenschulen von Coquimbo in Chile

Die ländliche Bildung in Chile war historisch gesehen eine logistische und soziale Herausforderung. In der Region Coquimbo, insbesondere in der Gemeinde Monte Patria, hat sich diese Herausforderung jedoch in eine goldene Gelegenheit zur ökologischen Regeneration verwandelt. Die Mehrstufen-Schule, in der Schüler verschiedener Jahrgänge unter einem Dach und einem Lehrer lernen, etabliert sich als perfektes Labor für ein Lehrmodell, das die moderne Welt scheinbar vergessen hat: die intrinsische Verbindung mit dem Territorium.

Eduardo Jaime Muñoz, ein Lehrer mit mehr als 16 Jahren Erfahrung in der Provinz Limarí, ist das Gesicht dieses Wandels. Sein Projekt der Natur- und Freiluftbildung ist nicht nur eine pädagogische Methode; es ist ein Akt des kulturellen und ökologischen Widerstands, der lokales Wissen, die traditionelle Landwirtschaft und die Gemeinschaftsidentität als Säulen des Lernens integriert.

Das Territorium als Lehrbuch

Für Muñoz reicht das traditionelle Klassenzimmer mit vier Wänden nicht aus, um Bürger zu formen, die sich ihrer Umgebung bewusst sind. Sein Vorschlag konzentriert sich auf lokales Wissen, das in der Erde verwurzelt ist, und integriert landwirtschaftliche und Viehzuchtpraktiken, die die Gemeinden von Coquimbo über Generationen hinweg unterstützt haben.

„Es ist entscheidend, weiterhin Umweltbildung in Mehrstufen-Schulen zu fördern, da sie es den Schülern ermöglicht, den Lehrplan mit der Pflege der natürlichen Ressourcen zu verbinden“, erklärt Muñoz dem Portal Eco América.

Diese pädagogische Verknüpfung erreicht etwas, das die standardisierte Bildung oft übersieht: die Identität. Indem die persönliche Geschichte des Kindes mit der Geschichte seines Landes verbunden wird, hört das Lernen auf, abstrakt zu sein, und wird bedeutungsvoll. Die Kinder studieren nicht nur die Photosynthese; sie lernen, wie ihre eigene Familie dank des Umgangs mit Wasser und Boden überlebt hat.

escuelas multigrado
Die Mehrstufen-Schulen transformieren die ländliche Bildung in Chile.

Der Garten: Ein Labor für Biodiversität und Erbe

Einer der stärksten Pfeiler dieser Initiative ist der Schulgarten. Weit davon entfernt, nur ein Erholungsraum zu sein, ist der Garten das Operationszentrum, in dem Anbausysteme gerettet werden, die Jahrhunderte alt sind, wie die Milpa.

Die Milpa ist ein altes landwirtschaftliches System, das seinen Ursprung in Mesoamerika hat, aber mit tiefen Wurzeln in ganz Lateinamerika, und besteht aus dem Mischanbau von Arten, die sich gegenseitig begünstigen.

In diesem Miniatur-Ökosystem wenden die Kinder Pflanztechniken an, die sie von ihren Großeltern geerbt haben. Dies garantiert nicht nur die Ernährungssicherheit im kleinen Maßstab, sondern validiert auch das Wissen des Bauern gegenüber dem akademischen Wissen und beseitigt die Kluft zwischen „dem, was man zu Hause weiß“ und „dem, was man in der Schule lernt“.

Emotion und Staunen: Die Motoren des Wandels

Muñoz betont, dass Umweltbildung nicht nur auf katastrophalen Daten über den Klimawandel basieren sollte, sondern auf dem Staunen. Exkursionen ermöglichen es den Schülern, die Natur direkt zu beobachten und Emotionen wie Freude und Glück zu wecken.

„Das Staunen ist essenziell für eine ganzheitliche Bildung“, sagt der Lehrer. Wenn ein Kind vom Kreislauf eines Samens fasziniert ist, entwickelt es eine natürliche Empathie für die Umwelt. Es schützt die Natur nicht, weil es „muss“, sondern weil es sie versteht und sich als Teil von ihr fühlt.

Die Zukunft der Mehrstufen-Schule

Mit Blick auf die Zukunft sieht Professor Muñoz ein Bildungsmodell vor, in dem die ländliche Schule der zentrale Knotenpunkt der nachhaltigen Entwicklung der Gemeinschaft ist. In diesem Schema ist der Lehrer nicht die einzige Wissensquelle; lokale Spezialisten, Viehzüchter und Landwirte werden zu Co-Pädagogen, die den Bildungsprozess bereichern.

Die Mehrstufen-Schule der Zukunft in Chile strebt nicht danach, der städtischen Schule von Santiago zu ähneln; sie sucht danach, ihre eigene Essenz zu vertiefen. Durch kollaboratives und kontextualisiertes Lernen zeigen diese kleinen Einrichtungen in Limarí, dass der Weg zur globalen Nachhaltigkeit buchstäblich unter unseren Füßen beginnt.

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