Der Streit um die Grenzen zwischen La Rioja und San Juan ist erneut auf der öffentlichen Agenda aufgetaucht, nachdem der Gouverneur von La Rioja, Ricardo Quintela, den Anspruch auf einen Teil des nördlichen San Juan, einschließlich des Valle de la Luna, bekräftigt hat.
Es handelt sich um einen Konflikt, der seit über einem halben Jahrhundert ohne endgültige Lösung besteht und nun mit neuen historischen und rechtlichen Argumenten zurückkehrt.
Der Journalist und Forscher Juan Pablo Parrilla erklärte nach einer umfangreichen Untersuchung, die im Medium Meta o Verso veröffentlicht wurde, dass es Elemente gibt, die die Position von La Rioja stützen, obwohl er klarstellte, dass der Streit nicht abgeschlossen ist.
Die Ursprünge des Konflikts
Die Untersuchung rekonstruierte mehr als ein Jahrhundert gescheiterter Lösungsversuche:
- 1888: Beide Provinzen unterzeichneten ein Abkommen, um zu verhandeln und im Falle eines Scheiterns den Streit dem Schiedsverfahren des Präsidenten Miguel Juárez Celman zu unterwerfen. Der Sturz des Präsidenten im Jahr 1890 ließ den Prozess unvollendet.
- 1911: Ein neues Abkommen wurde zwischen Patricio Tierney, Präsident des Obersten Gerichtshofs von San Juan, und dem radikalen Führer Pelagio B. Luna, später Vizepräsident von Hipólito Yrigoyen, erreicht. Die Gesetzgebungen ratifizierten es jedoch nie.
- 1968: Während der Diktatur von Juan Carlos Onganía wurde ein Abkommen unterzeichnet, das die Grenzen wesentlich zugunsten von San Juan veränderte.
Das Abkommen von Onganía
Das Abkommen von 1968 konsolidierte strategische Gebiete für San Juan, darunter:
- Der Provinzpark Ischigualasto (Valle de la Luna).
- Weite Berggebiete im Norden von San Juan, wo sich heute die vier wichtigsten Bergbauprojekte der Provinz befinden.
Laut Parrilla war das Abkommen „viel nachteiliger für La Rioja als für San Juan“, da es von den Kriterien des Abkommens von 1911 abwich.

Reaktionen in der Demokratie
Mit der Rückkehr der Institutionen erkannte La Rioja das Abkommen formell nicht an:
- Das Provinzparlament verabschiedete ein Gesetz, das das Abkommen von 1968 ablehnt.
- Es wurde verboten, Karten zu verbreiten, die auf diesem Abkommen basieren.
- Abgeordnete aus La Rioja brachten im Kongress Projekte ein, um die Norm, die die aktuellen Grenzen festlegt, außer Kraft zu setzen.
Der Anspruch zielt darauf ab, das sogenannte Gesetz 18.004 aufzuheben, obwohl es sich technisch um ein Dekret von Onganía handelt, der seine Dekrete als „Gesetze“ bezeichnete.
Beteiligte politische Akteure
Im Laufe der Jahrzehnte haben verschiedene Politiker aus La Rioja Initiativen ergriffen, um die Situation umzukehren:
- Raúl Galván, ein radikaler Führer, stellte die ersten Projekte während der Amtszeit von Carlos Menem vor.
- Später förderten Menem selbst und sein Bruder Adrián Menem parlamentarische Initiativen mit demselben Ziel.
Ein offener Konflikt
Der Streit um das Valle de la Luna und den Norden von San Juan bleibt ohne endgültige Lösung. Obwohl es keinen Konsens darüber gibt, wer im Recht ist, kommt die journalistische Untersuchung zu dem Schluss, dass La Rioja über historische und rechtliche Grundlagen verfügt, um seinen Anspruch zu stützen.
Dieser Konflikt, der als vergessen galt, kehrt auf die politische und rechtliche Agenda Argentiniens zurück und zeigt, wie Entscheidungen, die in autoritären Kontexten getroffen wurden, weiterhin Spannungen in der Demokratie erzeugen.
Die Wiedereröffnung der Debatte über die Grenzen zwischen La Rioja und San Juan spiegelt die Hartnäckigkeit historischer Konflikte wider, die Generationen überdauern.
Der Fall des Valle de la Luna ist emblematisch: ein Gebiet von großem natürlichem und wirtschaftlichem Wert, das zum Symbol des Streits wurde und heute mit neuen Argumenten erneut beansprucht wird.



