Das Unternehmen SSAB, der führende Stahlhersteller Schwedens, hat einen radikalen Wandel in seinem Produktionsmodell eingeleitet: Die traditionellen kohlebetriebenen Hochöfen werden durch ein kompaktes Elektrostahlwerk mit einem Elektrolichtbogenofen ersetzt. Ziel ist es, bis Ende 2029 grünen Stahl ohne fossile Brennstoffe zu produzieren und damit einen Meilenstein im ökologischen Übergang der Schwerindustrie zu setzen.
Der Hochofen in Luleå, im Nordosten des Landes, wird die fossile Energie hinter sich lassen. Laut Jonas Lövgren, verantwortlich für den Bereich Produktion und Transformation bei SSAB, wird das neue Werk eine Reduzierung der gesamten CO₂-Emissionen Schwedens um 7 % ermöglichen, indem erneuerbare Elektrizität zum Schmelzen von Metallschrott anstelle von Kohle und Koks verwendet wird.
Die technologische und finanzielle Herausforderung
Die Stahlproduktion ist eine der umweltschädlichsten industriellen Aktivitäten, da Kohle und Koks die Hauptquelle der CO₂-Emissionen im Prozess der Eisenerzreduktion sind.
Die Entscheidung zum Bau des neuen Werks wurde 2023 getroffen, und es wird erwartet, dass es bis 2030 in Betrieb genommen wird, im Einklang mit dem Ziel der Europäischen Union, bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen.
Das Projekt erfordert eine Investition von 4,5 Milliarden Euro, die größtenteils aus eigenen Mitteln von SSAB finanziert wird. Die Europäische Union trägt über den Fonds für einen gerechten Übergang 71 Millionen Euro bei, die hauptsächlich für die Schulung des Personals bestimmt sind.
Schweden als europäisches Vorbild
Die Schwedische Agentur für Wirtschaftswachstum und regionale Entwicklung (Tillväxtverket) betonte, dass Schweden in Europa ein Vorbild für den ökologischen Übergang der Schwerindustrie ist.
Laut Kristin Hedstöm, Programmmanagerin der Agentur, hat das Land seine CO₂-Emissionen seit 2010 um fast 30 % reduziert und sich das Ziel gesetzt, bis 2045 Kohlenstoffneutralität zu erreichen, fünf Jahre vor dem europäischen Ziel.

Produktion und berufliche Umstellung
Derzeit produziert das Stahlwerk etwa 6.500 Tonnen Stahl pro Tag, was einer Eiffelturm entspricht. Mit dem neuen kompakten Elektrostahlwerk wird erwartet, dass mehr Stahl produziert wird, jedoch ohne fossile Energie.
Die technologische Herausforderung wird von einer menschlichen begleitet: 1.100 Arbeiter in neuen Kompetenzen auszubilden. Lövgren erklärte, dass der Prozess mit den Elektrikern begann, die für den Betrieb der neuen Infrastruktur entscheidend sind.
Ein Beispiel ist Victoria Blom, eine ehemalige Maschinenführerin des Stahlwerks, die vor anderthalb Jahren eine Ausbildung an der SSAB Academy begann, um Elektrikerin zu werden. Sie wurde aus 60 Bewerbern ausgewählt und absolvierte einen siebenmonatigen Kurs mit theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten. „Man benutzt sowohl den Körper als auch den Geist, da die Problemlösung mit dem Lesen der Pläne beginnt, um dann hinauszugehen, zu messen, zu kontrollieren und mit eigenen Augen zu beobachten“, berichtete sie.
Ein wegweisendes Modell in Europa
Das schwedische Stahlwerk positioniert sich als eines der ersten in Europa, das stahl ohne fossile Brennstoffe entwickelt, ein entscheidender Schritt zur Dekarbonisierung der Schwerindustrie und ein nachahmenswertes Beispiel für andere Länder, die industrielle Produktion mit ökologischer Nachhaltigkeit in Einklang bringen wollen.
Das SSAB-Projekt in Luleå stellt einen Wendepunkt in der weltweiten Stahlindustrie dar: Es zeigt, dass es möglich ist, grünen Stahl zu produzieren, Emissionen zu reduzieren und die Arbeiter in neuen Kompetenzen auszubilden.
Schweden festigt seine Position als führend im ökologischen Übergang der Schwerindustrie, indem es die Fristen für die Kohlenstoffneutralität vorverlegt und zeigt, dass technologische Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können.



