Nach 15 Saisons Arbeit in der Antarktis gelang es dem US-amerikanischen Fotografen und Naturforscher Justin Hofman, die ersten Unterwasseraufnahmen einer Ross-Robbe (Ommatophoca rossii) zu machen, die zwischen den Eisschollen schwimmt.
Der Fund, der an Bord des Kreuzfahrtschiffs National Geographic Resolution während einer Expedition von National Geographic-Lindblad Expeditions gemacht wurde, stellt die erste visuelle Aufzeichnung von dieser Art in ihrem natürlichen Lebensraum dar.
Hofman berichtete, dass er in all dieser Zeit nur zwei Exemplare gesehen hatte und jahrelang dachte, dass es praktisch unmöglich sei, ein Unterwasserfoto zu machen. Die Seltenheit der Begegnung und die Schwierigkeit, Zugang zu den dichtesten Eisschollen zu bekommen, machen diese Aufzeichnung zu einem Meilenstein für die Wissenschaft und den Naturschutz.
Eine scheue und einsame Art
Die Ross-Robbe ist der kleinste antarktische Pinniped und eine der geheimnisvollsten Arten. Sie lebt in Gebieten mit dichtem Eis, führt ein einsames Leben und hat charakteristische Lautäußerungen, die ihr den Spitznamen „Sängerrobbe“ eingebracht haben. Sie ernährt sich hauptsächlich von Tintenfischen und Fischen, und ihre Rolle als Raubtier macht sie zu einem wichtigen Regulator der südlichen Meerespopulationen.
Ihr Aussehen ist charakteristisch: ein rundlicher Körper, ein dicker Hals und ein kleiner Kopf, mit dunkelgrauem Fell auf dem Rücken und silbrigem Bauch. Die Weibchen sind in der Regel etwas größer und erreichen eine Länge von 1,7 bis 2,5 Metern und ein Gewicht von 160 bis 210 Kilo.

Ökologische Bedeutung und Naturschutz
Die Ross-Robbe erfüllt eine wesentliche Funktion im antarktischen Ökosystem, indem sie Fisch- und Tintenfischpopulationen reguliert. Außerdem macht ihre Abhängigkeit vom Meereis zur Fortpflanzung und zum Fellwechsel sie zu einem wichtigen Umweltindikator im Hinblick auf den Klimawandel.
Derzeit wird sie von der IUCN als „gering gefährdet“ eingestuft, mit einer geschätzten Population von 200.000 bis 650.000 Individuen. Die Verringerung des Meereises durch die globale Erwärmung stellt jedoch ihre größte langfristige Bedrohung dar. Seit 1972 ist die Art durch das Übereinkommen zur Erhaltung der antarktischen Robben geschützt, das seit 1978 in Argentinien in Kraft ist.
Ein Symbol für die polare Fragilität
Hofmans Aufzeichnung liefert nicht nur beispiellose Bilder, sondern erinnert auch an die Fragilität der polaren Ökosysteme. Die Ross-Robbe, die für die meisten Forscher und Touristen unsichtbar ist, wird zum Symbol für die Biodiversität, die noch unter dem Eis verborgen ist.
Die Verbreitung dieser Fotografien Ende 2025 und Anfang 2026 unterstreicht die Bedeutung wissenschaftlicher Erkundung und visueller Dokumentation als Werkzeuge zur Sensibilisierung für den Schutz wenig bekannter Arten.



