Italien bereitet sich auf eine bedeutende Änderung seiner Lebensmittelgesetzgebung vor: Ein von Michela Vittoria Brambilla gefördertes Projekt, unterstützt von Susanna Cherchi und Luana Zanella, zielt darauf ab, den Konsum von Pferdefleisch zu verbieten, da Pferde als Haustiere betrachtet werden.
Der Vorschlag hat bereits seine Bearbeitung in der Abgeordnetenkammer begonnen und spiegelt einen wachsenden gesellschaftlichen Trend zum Schutz der Pferde und zur Reduzierung ihrer Ausbeutung wider.
Diese Änderung ist Teil einer breiteren ethischen Debatte in Europa, wo Ernährungsentscheidungen nicht nur von ernährungsphysiologischen Kriterien abhängen, sondern auch von sozialen und kulturellen Werten im Zusammenhang mit dem Tierschutz und der Transparenz in der Lebensmittelkette.
Nährwertprofil von Pferdefleisch
Traditionell wurde Pferdefleisch wegen seines Nährwerts geschätzt:
- Proteine von hohem biologischen Wert: 20–22 g/100 g, essentiell für die Erhaltung und Reparatur von Geweben.
- Niedriger Fettgehalt: zwischen 2 und 5 g/100 g, mit einem geringeren Anteil an gesättigten Fetten.
- Mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Omega-3 und Omega-6, günstig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
- Bioverfügbares Häm-Eisen: 3–4 mg/100 g, nützlich zur Vorbeugung von Eisenmangelanämie.
- B-Vitamine: insbesondere B12, B6 und Niacin, entscheidend für den Energiestoffwechsel und die neurologische Funktion.
- Mineralien: Phosphor, Zink und Selen, essentiell für das Immunsystem.
Außerdem verleiht ihr hoher Gehalt an Muskelglykogen ihr einen leicht süßen Geschmack und eine intensive rote Farbe, die sie von anderen roten Fleischsorten unterscheidet.

Entwicklung des Verbrauchs in Italien
Der Konsum von Pferdefleisch in Italien ist deutlich zurückgegangen:
- Im Jahr 2012 gab es mehr als 70.000 Verbraucher pro Jahr.
- Im Jahr 2024 sank die Zahl auf 22.000, was einen kulturellen Wandel hin zur Wahrnehmung des Pferdes als Haustier und nicht als Nahrungsmittel widerspiegelt.
Dieser Rückgang fügt sich in die europäischen Kontroversen über die Fleischkennzeichnung und die wachsende gesellschaftliche Sensibilität für den Tierschutz ein.
Soziale und gesetzgeberische Implikationen
Der italienische Vorschlag basiert nicht auf Kriterien der öffentlichen Gesundheit, sondern auf einer kulturellen und ethischen Entwicklung. Pferdefleisch, aus diätetischer Sicht gesund, befindet sich an einem Scheideweg zwischen gastronomischer Tradition und neuen gesetzlichen Ausrichtungen.
Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde Italien zu einem europäischen Vorreiter im Schutz der Pferde werden und einen Präzedenzfall schaffen, der andere Länder beeinflussen könnte, in denen der Konsum noch üblich ist.
Die italienische Initiative zeigt, wie Ernährungspolitiken nicht mehr nur von der Ernährung abhängen, sondern auch von sich wandelnden sozialen Werten. Pferdefleisch, mit einem günstigen Nährwertprofil, sieht sich einer ungewissen Zukunft in Europa gegenüber, wo die Sensibilität für Haustiere und der Tierschutz gegenüber der gastronomischen Tradition an Boden gewinnt.



