Das deutsche Unternehmen SINN Power GmbH hat die weltweit erste vertikal installierte schwimmende Photovoltaikanlage eröffnet, die auf der patentierten Technologie SKipp basiert. Das Pilotprojekt wurde in der Kiesgrube von Starnberg installiert, mit 2.500 vertikalen Modulen, die insgesamt 1,87 MW erzeugen und teilweise ein nahegelegenes Industriegebiet versorgen.
Das Revolutionäre daran ist, dass die Module von Osten nach Westen ausgerichtet sind und Energie in zwei Spitzenzeiten erzeugen: morgens und nachmittags, was mit den Zeiten des höchsten häuslichen und industriellen Verbrauchs übereinstimmt.
Technische Vorteile der Innovation
- Doppelspitzenkurve: Die Ostseite fängt das Morgenlicht ein und die Westseite das Abendlicht, wodurch der Bedarf an Batterien reduziert wird.
- Albedo-Effekt: Der See reflektiert das Licht auf die Unterseite der bifazialen Module, was die Produktion um bis zu 30% erhöht.
- Passive Kühlung: Wasser und Luftzirkulation halten die Module auf einer niedrigeren Temperatur, was ihre Lebensdauer verlängert.
- Windstabilität: Jede schwimmende Einheit verfügt über einen 1,6 Meter langen Kiel und hochfeste Kabel, die eine kontrollierte Ablenkung ermöglichen, ähnlich wie bei modernen Wolkenkratzern.

Umwelt- und Wirtschaftsauswirkungen
Obwohl die Anfangsinvestition höher ist als bei landgestützten Anlagen, kompensieren die Effizienz und die Lebensdauer die Kosten. Darüber hinaus fungiert die Anlage als ein lebendiges Labor, um die ökologischen Auswirkungen auf Seen zu untersuchen:
- Es wird ein Abstand von 4 Metern zwischen den Modulen eingehalten, um den Durchgang von Licht und Sauerstoff zu ermöglichen.
- Wissenschaftler warnen, dass Jahre der Überwachung erforderlich sein werden, um die Auswirkungen auf Nährstoffe und aquatische Ökosysteme zu bewerten.
Die Solarenergie neu definieren
Traditionell werden Solarmodule nach Süden geneigt installiert, um die Strahlung zur Mittagszeit zu maximieren. Dieser Spitzenwert stimmt jedoch nicht mit der tatsächlichen Nachfrage überein. Die bayerische Anlage zeigt, dass die vertikale Anordnung die Erzeugung und den Verbrauch ausrichten kann und eine effizientere und nachhaltigere Alternative bietet.
Globaler Kontext der schwimmenden Solarenergie
Die Installation in Deutschland fügt sich in einen wachsenden Trend ein: die Nutzung von schwimmenden Solarmodulen, um Wasserflächen in Stauseen, Seen und Steinbrüchen zu nutzen. Länder wie Japan, China und die Niederlande experimentieren bereits mit ähnlichen Projekten, jedoch mit konventionell geneigten Modulen. Die deutsche Innovation weist einen neuen Weg, indem sie Schwimmfähigkeit mit Vertikalität kombiniert.
Darüber hinaus könnte die Übereinstimmung zwischen tatsächlicher Erzeugung und Verbrauch der Schlüssel sein, um den Druck auf städtische Stromnetze zu verringern und die Abhängigkeit von kostspieligen Speichersystemen zu reduzieren.
Die Innovation von SINN Power eröffnet ein neues Kapitel in der Energiewende: vertikale schwimmende Solarmodule, die Energie genau dann erzeugen, wenn sie am meisten benötigt wird. Dieses Modell könnte in anderen Regionen repliziert werden und Effizienz, Nachhaltigkeit und Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels kombinieren.



