Eine in der Zeitschrift PNAS veröffentlichte Studie, geleitet von der Universität Leipzig und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), in Zusammenarbeit mit der Universität Valencia und anderen Institutionen, bestätigte, dass der grüne Gürtel des Planeten seit Jahrzehnten seine Wanderung nach Nordosten beschleunigt.
Die Forschung führte eine innovative Methode ein, um das „Massenmittelpunkt“ des Grüns der Erde zu verfolgen, also den Gleichgewichtspunkt des Planeten, wenn jedes Vegetationsfragment ein Gewicht proportional zu seiner Blattdichte hätte. Dieser Ansatz bietet einen wissenschaftlichen Kompass, um zu messen, wie sich der grüne Gürtel des Planeten verändert.
Saisonale und anhaltende Bewegung
Basierend auf Satellitenbeobachtungen und Klimamodellen verfolgte das Team die saisonale Verschiebung des grünen Zentrums:
- Jedes Jahr schwingt die Vegetation zwischen den Hemisphären und erreicht ihren nördlichsten Punkt im Juli in der Nähe von Island und den südlichsten im März vor Liberia.
- Jedoch wurde neben diesem Muster eine konstante doppelte Verschiebung nach Norden und Osten festgestellt, die mit der Begrünung in Indien, China, Europa und Russland verbunden ist.
Hypothesen zu den Ursachen
Professor Miguel Mahecha, Hauptautor, wies darauf hin, dass längere Wachstumsperioden und mildere Winter auf der Nordhalbkugel dieses Phänomen antreiben könnten. Der Anstieg von atmosphärischem CO₂ wirkt ebenfalls als Dünger, fördert die Photosynthese und verlängert die Wachstumsperioden.
Entgegen den Erwartungen wurde keine gleichwertige Verschiebung nach Süden während des südlichen Sommers beobachtet, was die Asymmetrie zwischen den Hemisphären in der Reaktion der Vegetation auf den Klimawandel verstärkt.

Globale Begrünung
Die Studie liefert Beweise für die globale Begrünung, ein weniger bekanntes Phänomen des Klimawandels, das den allgemeinen Anstieg der Vegetationsdichte beschreibt.
Dieser Prozess verwandelt ehemals trockene Regionen in grünere Gebiete, wirft jedoch auch Fragen zur Nachhaltigkeit der Ökosysteme und zur Wasserverfügbarkeit auf.
Ein Kompass für die Biosphäre
Der theoretische Rahmen beschränkt sich nicht auf das terrestrische Grün. Er kann angepasst werden, um zu verfolgen:
- Eine „blaue Welle“ in den Ozeanen.
- Eine „rote Welle“ von thermischen Anomalien.
Dies macht die Methodologie zu einem multidimensionalen Werkzeug zur Überwachung des Pulses des Erdsystems, das Klima, Biosphäre, Landnutzung, Brände, Dürren und Tierwanderungen verbindet.
Zum ersten Mal verfügt die Wissenschaft über einen Kompass, der in der Lage ist, präzise zu messen, wie sich die lebende Oberfläche des Planeten im Kontext der globalen Erwärmung neu organisiert.
Die Verschiebung des grünen Gürtels nach Nordosten spiegelt die tiefe Interaktion zwischen Klima und Vegetation wider und eröffnet neue Wege, um die Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen und vorherzusehen.



