Eine internationale Studie unter der Leitung der Universität von Kentucky und veröffentlicht in Science of the Total Environment bestätigte erstmals die Aufnahme von Mikroplastik durch Belgica antarctica, das einzige in der Antarktis heimische Insekt und das südlichste Landtier der Erde.
Diese flügellose Mücke, so groß wie ein Reiskorn, ist in der Lage, unter extremen Bedingungen zu überleben: Minustemperaturen, Austrocknung, ultraviolette Strahlung und Schwankungen im Salzgehalt. Ihre Larven leben in Moos- und Algenmatten der Antarktischen Halbinsel, wo sie eine entscheidende Rolle im Nährstoffrecycling und der Bodengesundheit spielen.
Auswirkungen auf das Überleben
Die Experimente zeigten, dass, obwohl die Larven, die hohen Konzentrationen von Mikroplastik ausgesetzt waren, ihre Überlebensrate und ihren Grundstoffwechsel beibehielten, sie eine signifikante Reduzierung ihrer Fettreserven erlitten.
- Fett dient als „Energiebatterie“, um lange Winter zu überstehen.
- Ohne diese Reserven ist ihre Fähigkeit, den Lebenszyklus zu vollenden oder Umweltstress zu widerstehen, beeinträchtigt.
Diese Entdeckung ist alarmierend, da sie zeigt, dass selbst hochresistente Arten durch Plastikverschmutzung in ihrem Überleben beeinträchtigt werden können.
Feldnachweise
Die Forscher analysierten Larven, die an 20 Standorten auf 13 Inseln der Antarktischen Halbinsel gesammelt wurden. Mittels chemischer Bildgebungstechniken entdeckten sie Mikroplastikfragmente im Verdauungssystem von Wildexemplaren.
- Zwei Partikel wurden in 40 analysierten Larven gefunden.
- Obwohl die Zahl gering ist, stellt sie ein frühes Warnsignal dar: Sie bestätigt, dass Plastik bereits in die terrestrische Nahrungskette der Antarktis eingedrungen ist.

Umfang des Problems
Die Plastikverschmutzung in der Region beschränkt sich nicht nur auf Insekten:
- Eine Studie der Universität von Canterbury fand durchschnittlich 29 Mikroplastikpartikel pro Liter in frisch gefallenem Schnee auf der Ross-Eisplatte.
- Die gefundenen Rückstände umfassen Textilfasern, PET und synthetischen Kautschuk.
- Sie gelangen durch Meeresströmungen und atmosphärischen Transport sogar aus patagonischen Städten dorthin.
Umweltfolgen
Mikroplastik hat vielfältige Auswirkungen:
- Beschleunigung des Eisschmelzens: Sie reduzieren das Albedo, verändern die Oberflächenrauheit und fördern die mikrobielle Aktivität.
- Meeresökosystem: Sie werden von Vögeln, Fischen und Krill aufgenommen, was zu Erstickung, verringerter Nahrungsaufnahme und genetischen Veränderungen führt.
- Terrestrisches Ökosystem: Sie beeinträchtigen das Insekt Belgica antarctica und zeigen, dass selbst die isoliertesten Umgebungen nicht frei von Verschmutzung sind.
Laufende Forschung
Organisationen wie die IAEO und das CONICET überwachen das Ausmaß dieser Verschmutzung, um ihre langfristigen Auswirkungen zu verstehen. Die Studie unterstreicht die dringende Notwendigkeit:
- Messung der Plastikniveaus in polaren Böden.
- Analyse der Wechselwirkung mit anderen Risikofaktoren, wie dem Klimawandel, der die Region wärmer und trockener macht.
- Umsetzung globaler Plastikreduktionspolitiken, da keine Region der Erde frei von diesen Rückständen ist.
Die Anwesenheit von Mikroplastik in der Antarktis, sogar in ihrem einzigen einheimischen Insekt, zeigt, dass Plastikverschmutzung ein globales und übergreifendes Problem ist. Was einst als unberührtes Heiligtum galt, zeigt bereits Anzeichen von Degradation.
Der Schutz der polaren Biodiversität erfordert dringende Maßnahmen zur Reduzierung des Plastikgebrauchs und zur Eindämmung seiner Verbreitung in den entlegensten Ökosystemen der Erde.



