Der Bericht „Effektive Wiederverwendungsrichtlinien gestalten: Regionale Empfehlungen für Südamerika 2026“, erstellt vom Global Plastics Policy Centre, der Fundación Chile und der Universität St Andrews, warnt davor, dass die Systeme zur Wiederverwendung von Verpackungen in der Region trotz ihrer ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile noch immer begrenzt entwickelt sind.
Die Studie analysierte die Fälle von Argentinien, Kolumbien und Chile und schlug ein Modell zur Konsolidierung von Wiederverwendungssystemen vor, die heute fragil und fragmentiert sind.
Chile als Vorbild
Chile gilt dank seiner Gesetzgebung, wie dem Einwegplastikgesetz (Gesetz Nr. 21.368), als lateinamerikanischer Vorreiter in der Wiederverwendung. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass die Umsetzung nur teilweise erfolgt ist und dass die Praxis der Mehrwegverpackungen fast ausschließlich im Segment der Erfrischungsgetränke bleibt, ohne auf andere Produkte ausgeweitet zu werden.
Der Chilenische Plastikpakt (PCP) hat Pilotprojekte und Implementierungsleitfäden gefördert, wobei Unternehmen wie Coca-Cola Chile, Ecocarga und Condevuelta auf Wiederverwendung setzen.
Situation in Argentinien und Kolumbien
In beiden Ländern gibt es Vorschriften, die die Wiederverwendung erwähnen, aber es mangelt an ausreichenden Anreizen.
Die Studie betont, dass Wiederverwendungssysteme wettbewerbsfähig gegenüber Einwegverpackungen sein und finanzielle sowie regulatorische Unterstützung erhalten müssen, um tragfähig zu sein.
Vorteile der Wiederverwendung
Wiederverwendungssysteme sind entscheidend für die Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz:
- Reduzierung der Emissionen: bis zu 20 % weniger Treibhausgase in Konsumgütern bis 2030.
- Verringerung von Abfällen: verlängern die Lebensdauer von Produkten und reduzieren die Nachfrage nach neuen Materialien.
- Wirtschaftliche Chancen: schaffen Arbeitsplätze in Logistik, Reinigung, Reparatur und Umverteilung.
- Wachsender Markt: Der weltweite Wiederverwendungsmarkt wird bis 2030 voraussichtlich über 100 Milliarden Dollar übersteigen.

Empfehlungen der Studie
Um die aktuelle Stagnation zu überwinden, schlägt der Bericht fünf strategische Maßnahmen vor:
- Kohärente nationale Rahmenbedingungen für die Wiederverwendung.
- Finanzielle und marktbezogene Anreize, die die Wiederverwendung wettbewerbsfähig machen.
- Integration in die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR).
- Stärkung der institutionellen Governance und Koordination.
- Förderung der Bürgerbeteiligung und sozialen Inklusion bei der Gestaltung von Richtlinien.
Ein notwendiger Perspektivwechsel
Die aktuelle Finanzierung wurde hauptsächlich auf das Recycling ausgerichtet, wodurch die Wiederverwendung in den Hintergrund gerückt wurde. Die Studie empfiehlt, finanzielle Instrumente auf den Ausbau der Wiederverwendungskapazitäten umzuorientieren und eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen, die es ermöglicht, diese Praktiken zu skalieren.
Wiederverwendung sollte nicht als Randerscheinung betrachtet werden, sondern als zentrale Strategie zur Bewältigung der Plastikkrise.
Mit kohärenten Richtlinien, angemessenen Anreizen und Bürgerbeteiligung kann Südamerika seine Konsumsysteme in Richtung nachhaltigerer, innovativer und arbeitsplatzschaffender Modelle transformieren.



