Die Ernährung ist zu einem zentralen Faktor der Umweltauswirkungen in Europa geworden und erklärt einen bedeutenden Teil der von den Haushalten erzeugten Emissionen, weshalb die Umwelt-Mehrwertsteuer sehr hilfreich sein könnte.
In diesem Szenario konzentriert der Fleischkonsum einen hohen Anteil der Treibhausgase und belastet zudem die Nutzung von Wasser, Boden und die Biodiversität.
Deshalb schlagen Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in Deutschland vor, die derzeitigen steuerlichen Anreize zu überdenken, die diese Produkte verbilligen.
Ein Preissignal, um die versteckten Kosten widerzuspiegeln
Der Vorschlag stützt sich auf ein einfaches Prinzip: Die Umweltkosten, die mit der Lebensmittelproduktion verbunden sind, in den Endpreis einzubeziehen.
Es ist jedoch komplex, eine detaillierte Umweltsteuer auf jedes Produkt anzuwenden, aufgrund der Vielfalt der Lebensmittelketten.
Angesichts dieser Schwierigkeit analysiert die Studie eine sofortige Option: die Abschaffung der ermäßigten Sätze der Mehrwertsteuer, die auf Fleisch angewendet werden.

Die Rolle der Mehrwertsteuer in den Konsumgewohnheiten
Derzeit zahlen in der Europäischen Union viele Lebensmittel einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz, wie es in Ländern wie Deutschland oder Spanien der Fall ist.
Im Jahr 2023 wendeten 22 der 27 Mitgliedstaaten diesen steuerlichen Vorteil auf Fleisch an, trotz seiner hohen Umweltauswirkungen.
Laut den verwendeten Modellen würde die Anwendung des allgemeinen Mehrwertsteuersatzes auf Fleisch eine Reduzierung der Umweltschäden der Ernährung um 3% bis 6% ermöglichen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und soziale Kompensation
Die steuerliche Anpassung würde eine durchschnittliche Erhöhung der jährlichen Ausgaben für Lebensmittel um etwa 109 Euro pro Haushalt in der Europäischen Union bedeuten.
Diese Erhöhung würde jedoch teilweise durch höhere Steuereinnahmen kompensiert, die auf 83 Euro pro Haushalt geschätzt werden.
Somit würde der endgültige Nettokosten etwa 26 Euro jährlich betragen, mit Spielraum für die Anwendung von Mechanismen zur sozialen Kompensation.
Ein zweites Szenario: differenzierte Umweltsteuern
Neben der Mehrwertsteuer bewertet die Studie ein ambitionierteres Szenario, das auf einer Umweltsteuer basiert, die an die Emissionen jedes Lebensmittels gekoppelt ist.
Ein allgemeiner Zuschlag von 52 Euro pro Tonne CO₂ würde eine Emissionsreduzierung auf einem ähnlichen Niveau wie die volle Mehrwertsteuer auf Fleisch ermöglichen.
Dieser Wert nähert sich dem erwarteten Kohlenstoffpreis für Brennstoffe und Heizung in der Europäischen Union bis 2028 an.

Über das Klima hinaus: andere positive Auswirkungen
Ein umfassendes Preissignal würde nicht nur Treibhausgase reduzieren, sondern auch andere relevante Umweltauswirkungen.
Dazu gehören die Verschmutzung durch Stickstoff und Phosphor, der intensive Wasserverbrauch und der Druck auf die Ökosysteme.
Auf diese Weise würde der Ansatz es ermöglichen, die Umweltgrenzen des europäischen Lebensmittelsystems umfassender anzugehen.
Mögliche Vorteile der Initiative
Zu den Hauptvorteilen gehört die schnelle Reduzierung der Umweltauswirkungen der Ernährung ohne direkte Verbote.
Darüber hinaus generiert das Schema fiskalische Ressourcen, die verwendet werden können, um die verletzlichsten Haushalte zu kompensieren.
Schließlich sendet die Maßnahme ein klares Signal an den Markt und fördert nachhaltigere Produktionssysteme, die mit den Klimazielen der Europäischen Union übereinstimmen.



