Venedig in Alarmbereitschaft: Kannibalische Quallen und Blaue Krabben dringen in die Lagune ein und gefährden die lokale Fischerei

Der Einfluss des Klimawandels auf Venedig beschränkt sich nicht nur auf das Vordringen des Meeres in die Stadt, und es gibt Alarm. Die Erwärmung der Adria verändert das Lagunenökosystem, das für die Identität und die lokale Wirtschaft von entscheidender Bedeutung ist, tiefgreifend.

Während der Anstieg des Meeresspiegels droht, das Schutzsystem der Stadt obsolet zu machen, stellt die Ankunft und Vermehrung von invasiven Arten die Biodiversität und die Fischereiaktivitäten in Frage.

Zu den alarmierendsten Fällen gehört der kannibalische Rippenqualle (warty comb jelly oder „Meeresnuss“), die als eine der 100 schädlichsten invasiven Arten der Welt gilt. Dieses gallertartige Wirbellose, das sich sogar von seinen eigenen Nachkommen ernähren kann, ist seit fast einem Jahrzehnt in der Adria präsent.

Eine Studie der Universität Padua und des Nationalen Instituts für Ozeanographie und Angewandte Geophysik (OGS) warnt davor, dass der Klimawandel ideale Bedingungen für seine Ausbreitung in der venezianischen Lagune geschaffen hat. Laut der Forscherin Valentina Tirelli könnten sich große Ansammlungen bilden, die schwerwiegende Auswirkungen auf das Funktionieren des Ökosystems haben.

Die Fortpflanzungsspitzen treten gegen Ende des Frühlings und zwischen dem Ende des Sommers und dem Beginn des Herbstes auf, verbunden mit dem Anstieg der Wassertemperatur und geeigneten Salzgehalten. Die Art ist ein gefräßiger Räuber von Zooplankton, Eiern und Larven von Fischen und Muscheln, was direkt Arten von hohem ökologischem und wirtschaftlichem Wert bedroht.

Alarm in Venedig
Der Alarm in Venedig ertönt wegen der Erwärmung der Adria.

Das Vordringen der blauen Krabbe

Zu diesem Szenario kommt die Ausbreitung der riesigen blauen Krabbe im Norden der Adria hinzu. Ursprünglich aus anderen Regionen stammend, soll sie in den 1940er Jahren im Ballastwasser von Schiffen angekommen sein. Obwohl ihre Anwesenheit nicht neu ist, hat sich ihre Population in den letzten Jahren aufgrund des Fehlens natürlicher Feinde und der Erwärmung des Wassers schnell vermehrt.

„Die Erwärmung hat sie aktiver und gefräßiger gemacht“, berichtete ein lokaler Fischer. Die Meeresbiologin Enrica Franchi erklärte, dass die blaue Krabbe jetzt das ganze Jahr über ideale Bedingungen vorfindet. Mit ihren starken Scheren räubert sie Muscheln, Miesmuscheln, Austern und die traditionellen venezianischen Moeche und zerstört zudem Fischernetze.

Auswirkungen auf die Fischerei und die lokale Kultur

Angesichts dieses Vordringens wurden Vorschläge gemacht, die blaue Krabbe als Nahrungsmittel zu vermarkten und sie sogar in lokale Menüs aufzunehmen. Experten und Produzenten warnen jedoch davor, dass diese Strategie die Fischerei- und kulinarischen Traditionen der Adria beeinträchtigen könnte, indem sie Techniken und Wissen gefährdet, die mit einheimischen Arten verbunden sind.

Die Vermehrung dieser invasiven Arten zeigt, wie der Klimawandel und die Globalisierung des Seeverkehrs die Küstenökosysteme verändern. In Venedig ist die Situation besonders kritisch, da die Lagune nicht nur die Biodiversität, sondern auch die Fischereiwirtschaft und die kulturelle Identität der Stadt trägt.

Der Alarm in Venedig wegen der Invasion von kannibalischen Quallen und blauen Krabben zeigt, dass der Klimawandel nicht nur mit Überschwemmungen droht, sondern auch mit dem Verlust des ökologischen Gleichgewichts. Die Ausbreitung dieser exotischen Arten trifft die lokale Fischerei hart und stellt die Herausforderung dar, Kontrollstrategien zu entwerfen, die sowohl die Biodiversität als auch die kulturellen Traditionen der Region schützen.

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